Welche Plattform ist die richtige?

Welche Plattform ist die richtige ? Abbildung eines desolaten PC erstellt mit KI

Welche Plattform ist die richtige?

Diese Frage bekomme ich im Unterricht wirklich sehr häufig gestellt. Auf diese Frage kann man auch keine pauschale Antwort geben. Es hängt von vielen Faktoren ab.

In meinem Beitrag zu einen Onlineshop aufbauen bin ich bereits auf das Thema Mietsystem, Kaufsysteme, Open-Source oder Eigenentwicklung eingegangen. Hier möchte ich nun etwas konkreter und tiefer in die Materie eintauchen.

Baukastensysteme: Benutzerfreundlichkeit trifft auf leistungsstarke Funktionen

Shopify ist eine gehostete E-Commerce-Lösung, die für ihre Benutzerfreundlichkeit bekannt ist.

Mit einer Vielzahl von Vorlagen und Apps bietet Shopify eine umfassende Lösung für Unternehmer, die schnell und effizient einen Online-Shop starten möchten.

Daneben gibt es noch weitere Anbieter, welche ich zu »Baukasten-Systemen« zähle.

Wix, Jimdo, Squarespace oder auch 1 & 1 Ionos. Damit es hier keine Werbung wird!

Vorteile von Baukastensystemen (Welche Plattform ist die richtige):

  • Einfachheit: 

    Ideal für Anfänger ohne technische Kenntnisse und einfach zu bedienen mit Drag-and-Drop-Funktionen.
  • Support und Sicherheit: 

    Anbieter kümmern sich in der Regel um die technische Wartung, Sicherheitsupdates und bieten Kundensupport an.
  • Vorlagen und Design:

    Eine Vielzahl von anpassbaren Vorlagen

Nachteile von Baukastensystemen (Welche Plattform ist die richtige):

  • Kosten: 

    Monatliche Gebühren und Transaktionskosten können sich summieren.
  • Anpassungsfähigkeit: 

    Eingeschränkte Anpassungsmöglichkeiten und Designauswahl.
  • Skalierbarkeit:

    Die Skalierbarkeit der Systeme ist meist begrenzt.
  • Datenschutz:

    Häufig werden die Daten außerhalb der EU gespeichert.

    Und das ist in Zeiten von Datensouverenität ein erhebleblicher Nachteil.

Sicherlich klingen 25 € oder 30 € pro Monat für Einsteiger im ersten Moment recht verlockend.

Die Payment-Kosten sollten dabei aber auch berücksichtigt werden.

Häufig werden 2,3 % Gebühren als wenig erachtet.

Doch gerade bei den geringen Margen im E-Commerce kann das in Kombination mit Retouren zwischen Existenz und Insolvenz den Unterschied ausmachen.

Aktuell ist das Plus-Abo für komplexe Unternehmen mit 2.300 $ pro Monat eine Ansage.

Auf dem ersten Blick scheint mit der Differenzierung von Basic über Grow, zu Advanced auch die Skalierbarkeit gegeben zu sein.

Da der Shop jedoch gehostet wird würde ich dies stark in Frage stellen.

KI generiertes Bild für den Beitrag: Welche Plattform ist die richtige?
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Klassische Shopsysteme (Welche Plattform ist die richtige)

Kommen wir zu den klassischen Shopsystemen.

Hierzu zählen u.a. Shopware oder auch Magento.

Beide Systeme sind als Kaufversion erhältlich und können somit auf eigenen Servern betrieben werden.

Vorteile klassischer Shopsysteme:

  • Robustheit: 

    Ideal für große Unternehmen mit komplexen Anforderungen.
  • Flexibilität:

    Modularer Aufbau mit vielen Plugins und Erweiterungen, die es ermöglichen, den Shop an spezifische Bedürfnisse anzupassen.
  • SEO und Marketing:

    Integrierte SEO-Tools und Marketing-Funktionen unterstützen die Verbesserung der Sichtbarkeit und Kundenbindung.
  • Skalierbarkeit:

    Ideal für große Unternehmen mit umfangreichen Produktkatalogen und hohem Verkehrsaufkommen.

Nachteile klassischer Shopsysteme:

  • Komplexität:

    Die Einrichtung und Verwaltung von erfordert technisches Wissen und Erfahrung.
  • Kosten:

    6.500 € pro Monat sagen ganz klar das es für KMU konzipiert wurde und weniger für Einzelunternehmer.
  • Ressourcenintensiv:

    Es benötigt leistungsstarke Server und kann ressourcenintensiv sein.

Open-Source-Shop-Software

Wer mich kennt, weiß ich bin ein kleiner Freund von Open-Source Systemen.

Das betrifft auch CMS-Systeme, wie WordPress und diesem Blog hier. Bei Shopsystemen habe ich sehr lange mit Modified gearbeitet.

Ich habe es auch hin und wieder verflucht!

Daneben gibt es noch osCommerce oder auch PrestaShop und auch Magento und Shopware gibt es als Open-Source Versionen.

Vorteile von Open-Shopsoftware

  • Open-Source: 

    Vollständig anpassbar und flexibel.
  • Kosten: 

    Grundsätzlich kostenlos, mit kostenpflichtigen Erweiterungen.

    Spenden an Entwickler erwünscht!
  • Community: 

    Große Entwickler-Community und zahlreiche Plugins.

Nachteile von Open-Source-Shopsoftware

  • Komplexität: 

    Erfordert technisches Wissen und Wartung in der Webentwicklung.
  • Hosting: 

    Benutzer müssen sich um Hosting und Sicherheit kümmern.
  • Support:

    Im Gegensatz zu kommerziellen Lösungen gibt es keinen offiziellen Support. 
  • Skalierbarkeit:

    Während es für kleine bis mittelständische Unternehmen geeignet ist, kann es bei sehr großen Shops mit hohem Verkehrsaufkommen an seine Grenzen stoßen.

Eine Open-Source Software im E-Commerce in Verbindung mit einem versierten Programmierer ist ein mächtiges Werkzeug.

Meine Erfahrungen mit Open-Source-Shopsoftware

Wer mich kennt, weiß, dass ich ein kleiner Freund von Open-Source-Systemen bin.

Das betrifft nicht nur CMS-Systeme wie WordPress, sondern auch Shopsysteme.

Persönlich habe ich rund sieben Jahre mit der Open-Source-Shopsoftware modified gearbeitet.

Dabei habe ich durchaus positive Erfahrungen gesammelt. Gleichzeitig habe ich das System auch hin und wieder verflucht.

Das gehört meiner Meinung nach zur ehrlichen Betrachtung von Open Source dazu.

Die Software selbst ist nicht das eigentliche Problem. Entscheidend ist vielmehr, was man damit machen möchte und welches technische Know-how zur Verfügung steht.

In meinem damaligen Umfeld war ein großer Vorteil, dass mein ehemaliger Chef ein sehr guter Programmierer war.

Dadurch konnten viele Anforderungen, die wir für den Onlinevertrieb benötigten, direkt innerhalb der Software umgesetzt werden.

Genau hier liegt für mich eine der großen Stärken von Open-Source-Shopsoftware:

Wenn das notwendige technische Know-how vorhanden ist, kann aus einem zunächst vorhandenen Shopsystem ein sehr individuell angepasstes Werkzeug werden.

Das bedeutet allerdings auch Verantwortung.

Updates, Sicherheit, Erweiterungen, Schnittstellen und individuelle Anpassungen müssen berücksichtigt und gepflegt werden.

Wer über keine ausreichenden Programmierkenntnisse verfügt und auch keinen zuverlässigen technischen Partner an seiner Seite hat, sollte deshalb sehr genau überlegen, ob ein Open-Source-System tatsächlich die richtige Wahl ist.

Eigenentwicklung

Eine Eigenentwicklung ist die individuellste Variante. Hier wird der Onlineshop nicht auf Basis einer fertigen Shopsoftware aufgebaut, sondern ganz oder zumindest in wesentlichen Teilen selbst entwickelt.

Das klingt zunächst fantastisch.

Maximale Individualisierung! Vollständige Kontrolle! Eigene Prozesse!

Und genau hier beginnt das Problem.

Denn wer maximale Freiheit möchte, bekommt auch maximale Verantwortung.

Vorteile einer Eigenentwicklung

  • Maximale Individualisierung: Funktionen und Prozesse können exakt an die eigenen Anforderungen angepasst werden. Was die Standardsoftware nicht kann, muss nicht über Umwege abgebildet werden.
  • Vollständige Kontrolle: Architektur, Datenhaltung, Funktionen und Schnittstellen können selbst bestimmt werden. Es gibt keinen Hersteller, der irgendwann entscheidet, dass eine Funktion nicht mehr weiterentwickelt wird.
  • Eigene Prozesse: Gerade Unternehmen mit ungewöhnlichen Geschäftsmodellen können ihre internen Abläufe direkt in der Software abbilden. Das kann einen erheblichen Wettbewerbsvorteil darstellen.
  • Individuelle Schnittstellen: ERP, Warenwirtschaft, CRM, PIM, Payment, Logistik, Marktplätze und weitere Systeme können gezielt miteinander verbunden werden.
  • Skalierbarkeit: Eine Eigenentwicklung kann von Beginn an auf die erwartete Unternehmensgröße und die eigenen technischen Anforderungen ausgelegt werden.

Das klingt nach dem perfekten Shopsystem.

Bis jemand fragt:

Was kostet das?

Was kostet maximale Individualisierung?

Eine Eigenentwicklung hat keinen festen Preis.

Und genau das ist bereits eine wichtige Information.

Bei einem fertigen Shopsystem kaufe oder miete ich eine vorhandene Lösung. Bei einer Eigenentwicklung bezahle ich zunächst die Entwicklung dieser Lösung.

Und Entwicklung kostet.

Nicht nur die Programmierstunde.

Konzeption, Anforderungsanalyse, Architektur, Datenbankstruktur, Benutzeroberflächen, Schnittstellen, Tests, Fehlerbehebung, Dokumentation, Deployment und spätere Weiterentwicklung gehören ebenfalls dazu.

Je individueller die Anforderungen, desto größer wird normalerweise der Entwicklungsaufwand.

Ein Shop mit einem Standard-Sortiment und einem einfachen Checkout ist deshalb eine völlig andere Aufgabe als ein System, das individuelle Preislogiken, mehrere Kundengruppen, eigene Bestellprozesse und zahlreiche externe Systeme miteinander verbinden soll.

Maximale Individualisierung bedeutet eben auch maximale Individualkosten.

Eigene Prozesse und Schnittstellen

Ein wesentlicher Grund für eine Eigenentwicklung können die eigenen Geschäftsprozesse sein.

Wenn ein Unternehmen beispielsweise anders arbeitet als die meisten Wettbewerber, kann eine Standardsoftware irgendwann an ihre Grenzen kommen.

Dann entstehen häufig Workarounds.

  • Man exportiert Daten und importiert sie wieder.
  • Es werden Excel-Listen geführt.
  • Man baut zusätzliche Plugins und entwickelt Schnittstellen.

Und irgendwann hat man einen wunderbar individuellen Prozess gebaut, der zufällig aus zwölf verschiedenen Werkzeugen besteht.

Eine Eigenentwicklung kann hier ansetzen und die eigenen Prozesse direkt im System abbilden.

Dafür müssen diese Prozesse allerdings zunächst einmal verstanden und beschrieben werden.

Denn ein Programmierer kann keinen Prozess sinnvoll programmieren, den das Unternehmen selbst nicht eindeutig erklären kann.

Und dann kommen die Schnittstellen.

Intern können beispielsweise ERP, Warenwirtschaft, CRM, PIM oder Lagerverwaltung angebunden werden.

Extern kommen Zahlungsdienstleister, Versanddienstleister, Marktplätze, Lieferanten oder weitere Plattformen hinzu.

Jede Schnittstelle bedeutet dabei nicht nur eine Verbindung.

Sie bedeutet auch Datenformate, Authentifizierung, Fehlerbehandlung, Updates und laufende Pflege.

Eine Schnittstelle ist schließlich kein Kabel, das man einmal einsteckt und dann für die nächsten zehn Jahre vergisst.

Omnichannel und Multichannel

Besonders interessant wird eine Eigenentwicklung, wenn ein Unternehmen nicht nur über einen einzigen Verkaufskanal arbeitet.

Im Multichannel-Vertrieb werden mehrere Vertriebskanäle genutzt.

Im Omnichannel-Ansatz sollen diese Kanäle darüber hinaus möglichst miteinander verbunden werden.

Produktdaten, Preise, Bestände, Kundendaten und Bestellungen müssen dann unter Umständen zwischen mehreren Systemen ausgetauscht werden.

Je mehr Kanäle hinzukommen, desto komplexer wird die technische Architektur.

Ein eigener Webshop, Amazon, eBay, stationärer Handel, Social Commerce, mobile Anwendungen und weitere Vertriebskanäle können jeweils eigene Anforderungen an Daten und Prozesse stellen.

Eine Eigenentwicklung kann diese Anforderungen sehr individuell berücksichtigen.

Sie muss es aber auch.

Omnichannel bedeutet nicht einfach: Wir verkaufen jetzt überall.

Es bedeutet vor allem:

Wir müssen überall konsistente Daten und funktionierende Prozesse sicherstellen.

Das kann erheblichen Entwicklungs- und Wartungsaufwand verursachen.

Sicherheit ist kein optionales Feature

Immer trägt das Unternehmen außerdem eine große Verantwortung für die Sicherheit.

Und bei einer Eigenentwicklung noch mehr.

Bei einem fertigen Shopsystem gibt es zumindest einen Hersteller, der seine Software entwickelt und Sicherheitsprobleme behebt.

Bei einer Eigenentwicklung gibt es diesen Hersteller nicht.

Man selbst ist der Hersteller.

  • Sicherheitslücken müssen gefunden und geschlossen werden.
  • Abhängigkeiten müssen aktuell gehalten werden.
  • Zugriffe müssen abgesichert werden.
  • Daten müssen geschützt werden.
  • Backups müssen funktionieren.

Und natürlich muss auch getestet werden, ob Änderungen nicht an anderer Stelle neue Probleme verursachen.

Sicherheit ist deshalb kein Projekt, das irgendwann mit dem Launch abgeschlossen ist.

Sie ist eine dauerhafte Aufgabe.

Laufende Wartung

Und damit kommen wir zu einem Punkt, den man bei Eigenentwicklungen gerne vergisst:

Der Shop ist nach der Entwicklung nicht fertig.

Eigentlich beginnt dann erst die nächste Phase.

  • Betriebssysteme ändern sich.
  • Browser ändern sich.
  • Schnittstellen ändern sich.
  • Zahlungsanbieter ändern ihre APIs.
  • Rechtliche Anforderungen verändern Prozesse.
  • Sicherheitslücken werden bekannt.
  • Neue Geräte und Technologien kommen hinzu.
  • Und natürlich möchten Kunden irgendwann neue Funktionen.

Die Entwicklungskosten hören deshalb mit dem ersten Launch nicht einfach auf.

Eine Eigenentwicklung benötigt dauerhaft Ressourcen für Wartung und Weiterentwicklung.

Kann KI die Entwickler ersetzen?

Spätestens an dieser Stelle kommt vermutlich irgendwann der Satz:

Das kann doch inzwischen alles die KI.

Nein.

Zumindest nicht in dem Sinne, dass man heute einen komplexen individuellen Webshop beschreiben kann und morgen eine vollständig getestete, sichere und dauerhaft wartbare E-Commerce-Plattform fertig auf dem Server liegt.

KI kann Entwickler inzwischen erheblich unterstützen.

Sie kann Code erzeugen, erklären, Fehler analysieren, Tests vorbereiten und bei der Entwicklung helfen.

Das ist zweifellos eine enorme Veränderung.

Aber ein komplexes E-Commerce-System besteht nicht nur aus Code.

Es braucht Architektur, Anforderungen, Datenmodelle, Sicherheitskonzepte, Tests, Monitoring, Dokumentation, Verantwortlichkeiten und Entscheidungen.

Und wenn etwas schiefgeht, hilft die Frage

„Aber die KI hat den Code geschrieben“

ungefähr genauso viel wie

„Der Praktikant war es“.

Irgendjemand trägt am Ende die Verantwortung.

Time-to-Market

Ein weiterer Nachteil ist die Zeit bis zur Marktreife.

Ein fertiges Shopsystem kann unter passenden Voraussetzungen relativ schnell eingerichtet und konfiguriert werden.

Eine Eigenentwicklung muss dagegen zunächst entwickelt, getestet und in Betrieb genommen werden.

Das kostet Zeit.

Und je umfangreicher die Anforderungen sind, desto länger kann es dauern, bis der erste Kunde tatsächlich bestellen kann.

Time-to-Market ist deshalb ein wichtiger wirtschaftlicher Faktor.

Während entwickelt wird, steht der Markt schließlich nicht still.

  • Wettbewerber können neue Funktionen veröffentlichen.
  • Kundenanforderungen können sich verändern.
  • Technologien können veralten.

Und möglicherweise stellt man nach Monaten Entwicklung fest, dass eine Funktion, die man unbedingt haben wollte, vom Markt überhaupt nicht angenommen wird.

Nach dem Launch ist vor der Weiterentwicklung

Der Launch eines eigenentwickelten Shops ist deshalb kein Endpunkt.

Er ist der Beginn des echten Praxistests.

Jetzt kommen die Kunden und die echten Bestellungen.

Erst jetzt zeigt sich, ob die Prozesse funktionieren.

Und jetzt zeigt sich auch, ob die Entscheidungen aus der Entwicklungsphase tatsächlich vom Markt angenommen werden.

Eine Funktion kann technisch perfekt umgesetzt sein und trotzdem niemanden interessieren.

Eine andere Funktion kann plötzlich dringend benötigt werden, obwohl sie in der ursprünglichen Planung überhaupt nicht vorgesehen war.

Eine Eigenentwicklung muss deshalb nach dem Launch kontinuierlich weiterentwickelt werden.

Kosten und Abhängigkeiten

Und dann gibt es noch eine besondere Form der Abhängigkeit.

Wer eine Standardsoftware nutzt, ist vom Hersteller abhängig.

Wer eine Eigenentwicklung nutzt, ist unter Umständen von seinen Entwicklern abhängig.

Wenn nur eine Person oder eine kleine Gruppe das System vollständig versteht, kann deren Ausfall erhebliche Probleme verursachen.

Deshalb sind Dokumentation, saubere Entwicklungsprozesse und eine nachvollziehbare Systemarchitektur bei Eigenentwicklungen besonders wichtig.

Sonst besitzt man zwar vollständige Kontrolle über den eigenen Shop.

Aber niemand weiß mehr, wie diese Kontrolle funktioniert.

Eigenentwicklung: mächtig, aber nicht für jeden

Eine Eigenentwicklung kann ein äußerst mächtiges Werkzeug sein.

Sie kann genau die Prozesse abbilden, die mit einer Standardsoftware nur schwer oder gar nicht umzusetzen sind.

Sie kann individuelle Schnittstellen schaffen, komplexe Multichannel- und Omnichannel-Prozesse unterstützen und langfristig sehr gut skalierbar sein.

Aber:

Eine Eigenentwicklung ist kein günstiger Weg, um einen Webshop zu bekommen.

Sie ist eine langfristige Investition in eine eigene Softwareplattform.

Und wer diese Entscheidung trifft, sollte nicht nur die Kosten der Entwicklung betrachten.

Er muss auch die Kosten für Wartung, Sicherheit, Weiterentwicklung, Personal, Ausfallrisiken und technische Abhängigkeiten berücksichtigen.

Ich selbst habe mich übrigens nie an die vollständige Eigenentwicklung eines Onlineshops herangetraut.

Und genau deshalb werde ich hier auch nicht so tun, als hätte ich damit zehn Jahre praktische Erfahrung.

Meine Erfahrungen liegen vielmehr bei bestehenden Shopsystemen und insbesondere bei Open-Source-Shopsoftware.

Eine Eigenentwicklung kann sinnvoll sein. Sie sollte aber einen sehr guten Grund haben.

Denn einen fertigen Shop zu kaufen ist eine Entscheidung.

Einen eigenen zu entwickeln bedeutet, dauerhaft selbst für einen Teil der Technologie verantwortlich zu sein.

Mein Fazit zu E-Commerce Plattformen:

Wie am Anfang erwähnt gibt es keine pauschale Antwort oder auch das eine System für E-Commerce.

Es kommt auf verschiedene Faktoren an und Fragestellungen:

Geschäftsanforderungen:

  • Welche Produkte oder Dienstleistungen werden verkauft?
  • Wie groß ist der aktuelle Produktkatalog und wie schnell wird er voraussichtlich wachsen?
  • Welche Zielmärkte und Kundensegmente werden angesprochen?

Budget:

  • Welche Kosten sind mit der Einrichtung und dem Betrieb der Plattform verbunden (Lizenzgebühren, Hosting, Entwicklung)?
  • Gibt es versteckte Kosten, z. B. für Plugins, Erweiterungen oder Transaktionsgebühren?

Technische Anforderungen:

  • Ist technisches Know-how im Team vorhanden oder wird externe Unterstützung benötigt?
  • Welche Integrationen mit bestehenden Systemen (z. B. ERP, CRM) sind erforderlich?
  • Welche Anforderungen gibt es an die Skalierbarkeit und Performance der Plattform?

Funktionalität:

  • Welche grundlegenden und erweiterten Funktionen werden benötigt (z. B. Multi-Store-Management, SEO-Tools, Marketingfunktionen)?
  • Gibt es spezielle Anforderungen an die Benutzeroberfläche oder das Design?

Benutzerfreundlichkeit :

  • Wie einfach ist die Plattform zu bedienen und zu verwalten?
  • Gibt es eine intuitive Benutzeroberfläche für Administratoren und Kunden?

Sicherheit und Datenschutz:

  • Welche Sicherheitsfunktionen bietet die Plattform (z. B. SSL-Unterstützung, PCI-DSS-Konformität)?
  • Wie werden Daten geschützt und welche Maßnahmen gibt es gegen Cyberangriffe?
  • Erfüllt die Plattform alle rechtlichen Anforderungen, z. B. in Bezug auf Datenschutz (DSGVO) und Verbraucherschutz?

Support und Community:

  • Gibt es professionellen Support oder eine aktive Community, die Unterstützung bietet?
  • Welche Ressourcen stehen für Schulungen und Problemlösungen zur Verfügung?

Ich glaube, diese Fragen müssen immer geklärt sein, bevor ein paar Anbieter oder Systeme in die engere Auswahl kommen.

Es gibt also keine „richtige“ Plattform, sondern nur eine passende oder eine falsche Wahl. Dafür möchte ich also keinesfalls der Sündenbock sein.

Eine Datenmigration von verschiedenen Systemen im Nachhinein ist immer viel komplexer, als sich am Anfang elementare Fragen zu stellen.

Die Frage müsste also lauten:

Welche Plattform ist für mich geeignet?

Die Auswahl des passenden Shopsystems ist allerdings nur ein Teil des Aufbaus eines E-Commerce-Geschäfts.

Welche weiteren Entscheidungen von der ersten Planung über Sortiment und Zahlungsarten bis hin zu Versand, Recht und laufendem Betrieb notwendig sind, habe ich im Überblick E-Commerce aufbauen zusammengestellt.

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