Dropshipping im E-Commerce. Auch dieses Wort kann man übersetzen. Einst. Lange bevor es den Internethandel gab.
In einer Zeit ohne Marketing. Da wurde es schlicht Streckengeschäft genannt.
Im Internet und auf den sozialen Medien kursieren unzählige Videos zum Thema Dropshipping im E-Commerce.
Meist vor dem Hintergrund des schnellen Geldes und des Reichtums über Nacht. Ganz so einfach gestaltet sich es dann leider nicht.
Inhaltsverzeichnis
- Wie funktioniert das Streckengeschäft im Onlinehandel?
- Der Ablauf von Dropshipping im E-Commerce
- Welche Vorteile bietet Dropshipping?
- Welche Nachteile liegen im Dropshipping?
- Dropshipping in der Praxis:
- Dropshipping-Partner:
- Technik:
- Kommissionierung:
- Versand:
- Handlingskosten:
- Rechtliche Aspekte, welche es bei Dropshipping zu beachten gilt:
- Fast Letzte Worte vom Experten für E-Commerce
- Was ist der Unterschied zwischen E-Commerce und Dropshipping?
Wie funktioniert das Streckengeschäft im Onlinehandel?
Dropshipping ist ein E-Commerce-Modell, bei dem der Händler keine eigenen Produkte auf Lager hat, sondern die Produkte direkt vom Lieferanten oder Großhändler an den Kunden versenden lässt. Der Händler fungiert dabei als Vermittler zwischen dem Kunden und dem Lieferanten.
Somit ist auch die Frage geklärt:
Was ist Dropshipping?
Es handelt sich um ein sogenanntes Streckengeschäft. Wie beschrieben wird die Ware in diesem Falle vom Großhändler oder auch Hersteller ohne Zwischenlagerung direkt an den Kunden gesendet.
Der Ablauf von Dropshipping im E-Commerce
- Du erstellst einen Online-Shop oder eine E-Commerce-Website, auf der Du Produkte zum Verkauf anbietest. Hierzu liest Du am besten die Webshop-Basics und sammelst noch viele weitere Informationen. Vertraue nur soliden Quellen, wie z.B. meiner Seite.
- Du suchst einen geeigneten Lieferanten oder Großhändler aus, der die gewünschten Produkte anbietet und bereit ist, im Dropshipping-Modell mit dir zusammenzuarbeiten. Am besten schaust Du zwar über den Tellerrand. Kleiner Gedankenanstoß. Vielleicht beginnst Du innerhalb deines Heimatlandes.
- Diese Produkte listest Du deinem Online-Shop (Übermittlung zu dir, via API) und legst die Verkaufspreise fest. Prüfe hierbei immer den Wettbewerb und setze dich mit den Preisstrategien intensiv auseinander.
- Wenn Dein Kunde eine Bestellung in deinem Online-Shop aufgibt und bezahlt, leitest Du die Bestellung und Kundendaten über eine Schnittstelle an den Großhändler bzw. den Lieferanten weiter.
- Dein Lieferant verpackt und versendet das Produkt im Anschluss direkt an den Kunden, ohne dass Du selbst das Produkt physisch in Händen hat. Aus diesem Grund ist der ursprüngliche Begriff für Dropshipping auch Streckengeschäft.
- Dein Kunde erhält das Produkt dann direkt vom Lieferanten, ohne dass er weiß, dass Du der Versender ist.
- Im Anschluss erhältst Du den Verkaufserlös abzüglich des vereinbarten Einkaufspreises und möglicher Gebühren für den Dropshipping-Service.
Welche Vorteile bietet Dropshipping?
Lagerkosten:
Ein Hauptvorteil des Dropshippings besteht darin, dass du kein physisches Inventar benötigst. Du musst keine teuren Lagerbestände kaufen oder Platz für die Lagerung finden. Die Lagerhaltung stellt neben den Kosten für einen Händler zudem erhebliche Risiken dar z.B. Trendwechsel oder gar ein Lagerbrand.
Versandabwicklung:
Siehe auch Punkt 5 im Ablauf oben. Es entfällt die Notwendigkeit, sich um den Versand der Produkte zu kümmern. Du kommst (vorerst) nicht in physischen Kontakt mit der Ware. Der Partner sendet die Ware direkt an deinen Kunden. Daher stammt auch der Begriff Streckengeschäft oder Direktversand.
Sortimentsgestaltung:
Ein weiterer großer Vorteil des Dropshipping ist die größere Vielfalt an Produkten für deine potentiellen Kunden. Je nachdem mit wie vielen Partnern du zusammenarbeitest kannst du dein Sortiment in der Breite und Tiefe nach Bedarf ausbauen.
Die Flexibilität:
Mit Dropshipping kannst du problemlos neue Produkte in dein Sortiment aufnehmen oder unrentable Produkte aus deinem Shop entfernen. Du bist nicht an einen bestimmten Bestand gebunden und kannst schnell die Trends und Kundenwünsche reagieren. Zumindest, wenn dein Partner noch am Start ist.
Konzentration auf den Onlinevertrieb:
Ein klarer Vorteil des Streckengeschäft ist, das man sich auf das wesentliche im Onlinehandel konzentrieren kann. Den Vertrieb der Artikel. Weniger Zeit für Lager (Inventur und Bestandsprüfung) und die Abwicklung des Versandes ergibt mehr Zeit für die Vermarktung der Waren.
Welche Nachteile liegen im Dropshipping?
Aber sei gewarnt: Während das Dropshipping viele Vorteile bietet, erfordert es dennoch harte Arbeit und eine intelligente Strategie, um erfolgreich zu sein. Die Konkurrenz ist groß, daher ist es wichtig, dass du dich von anderen abhebst. Achte auf eine sorgfältige Produktauswahl, finde vertrauenswürdige Lieferanten und biete einen exzellenten Kundenservice, um deine Kunden zufriedenzustellen und positive Bewertungen zu erhalten.
Lieferanten (Dropshipping-Partner):
Wie oben geschrieben ist es wichtig vertrauenswürdige Lieferanten zu haben. Und nicht nur das. Die Lieferanten sollten im Idealfall bereits auch Erfahrung mit Dropshipping gesammelt haben. Hierauf werde ich später noch genauer eingehen.
Wettbewerb beim Lieferanten:
Häufig arbeiten Dropshipper mit verschiedenen Onlinehändlern zusammen. In diesem Fall kann es sein, dass ein Wettbewerber von dir die Ware vor dir verkauft. Eventuell betreibt er eine aggressivere Preisstrategie? Eventuell hat er schon einen größeren Kundenstamm? Verschiedene Faktoren trüben die sonst so heile Welt des Dropshipping. Aus Sicht des Dropshippers ist das lediglich eine Risikoverteilung. So zu sagen, die „Multi-Channel“ Strategie des Lieferanten.
Retourenmanagement:
Je nach geschlossenen Vertrag ist es zumeist so, das die Retouren alle samt bei dir landen und nicht bei dem Dropshipper. Ihm ist ja genau so daran gelegen die Ware zu verkaufen und nicht zu stapeln. Du solltest dir also Gedanken machen, wie Du mit den Retouren umgehst. Ein Blick auf die Sortimentspolitik deinerseits scheint da sehr hilfreich.
Cross-Selling:
Auch Cross-Selling wird beim Dropshipping erheblich erschwert. Insofern der Kunde verschiedene Produkte von verschiedenen Partnern erwirbt kommen entweder höhere Versandkosten auf dich zu oder Du findest einen anderen Weg? Siehe unten… Lesen lohnt sich hier immer

Dropshipping in der Praxis:
Dropshipping-Partner:
Es erfordert eine offene und zudem zielgerichtete Kommunikation mit dem Partner. Wie erläutert greifen auf das Lager deines Partners mitunter verschiedene Onlinehändler zu. Eine fairer Umgang fördert an dieser Stelle kleine Gefälligkeiten, wie z.B. das Reservieren oder Blocken von Topsellern für Dich. Partner heißt aber auch nicht nur in eine Richtung. Mitunter kann dein Lieferant Unterstützung bei der Vermarktung von Penner-Artikel (Langsamdreher) wünschen.
Er kann es nicht fordern das Du diesen Artikel extra anlegst und pushst. Er muss dir aber auch keine Ware reservieren… Siehst Du auf was das hinausläuft?
Kommunikation und Kooperation im E-Commerce.
Technik:
Schaue nochmals unter Punkt 6 oben im Ablauf. Der Endkunde weiß nicht, dass die Ware vom Partner kommt. Daher müssen auch technische Schritte, wie z.B. die Implementierung deines Firmenlogos in den Lieferschein (CI) berücksichtigt werden.
Die Schnittstellen (API) zum Lieferanten müssen einwandfrei Funktionieren, damit die Bestände Just in Time aktuell gehalten werden. Über CSV Dateien erhällst Du zumeist Datensätze und Informationen. Mitunter auch Bilder und Produktbeschreibungen. Achte hierbei unbedingt auch auf Korrektheit und Duplicate Content. Nicht vergessen. Der Vertrieb liegt in deiner Hand.
Kommissionierung:
Ein Nadelöhr beim Dropshipping im E-Commerce stellt insbesondere das Cross-Selling dar. Insofern Du mit verschiedenen Lieferanten kooperiert (was häufiger der Fall ist) kaufen Kunden mitunter von verschiedenen Lieferanten. Hierbei entstehen dir erhöhte Kosten für den Versand mehrerer Pakete. Hinzu kommt die Belastung der Umwelt durch unnötigen Versand vieler kleiner Sendungen.
Mein Tipp ist daher entweder ein eigenes kleines Lager für diese Bestellungen vorzuhalten oder einen Schritt weiter zu gehen und einen Dienstleister zu verwenden, welcher euch diese Bestellungen abnehmen kann! (Kosten /Nutzen-Rechnung)
Versand:
Hier gilt es einige Fragen mit dem Partner zu klären. Welcher Dienstleister steht zur Verfügung? Paketversand und Spedition? Eigener DHL-Nummernkreis (Abrechnung des Versandes) oder der des Lieferanten (höheres Volumina im Versand). Du wirst immer wieder die Schnittmengen zu dem Partner haben. Denn ohne diesen Funktioniert Dropshipping im E-Commerce letztendlich nicht!
Wann werden die Daten in Dein System eingespielt und sind diese auch vollständig? Fehlen eventuell Tracking-IDs einzelner Bestellungen? Das alles ist möglich und… so muss ich es formulieren: Die Regel.
Handlingskosten:
Als ich 2007 im E-Commerce angefangen habe, waren diese noch sehr gering oder gar nicht vorhanden. Die Lieferanten waren erfreut, einen weiteren Absatzkanal „dem Internet“ bedienen zu können, ohne sich selbst mit dieser Thematik auseinandersetzen zu müssen. Nun ist es jedoch so, dass die Kosten, welche durch Personal und Lager dort anfallen, in Form der Handlingskosten auf die Partner umgelegt werden. Ich könnte hier noch viel tiefer in die Materie gehen. Dabei belasse ich es aber vorerst.
Rechtliche Aspekte, welche es bei Dropshipping zu beachten gilt:
Der Datenschutz
Wie oben bereits erwähnt, erfolgt der Versand der Ware direkt vom Großhandel bzw. dem Distributor aus. In diesem Falle werden logischerweise personenbezogene Daten an diesen übermittelt. Wir befinden uns also bereits in Rahmen von datenschutzrechtlichen Aspekten.
Für den Versand der Ware sind mindestens:
- Der Name
- und die Anschrift erforderlich.
Insofern es sich um Speditionsware handelt kommt mitunter noch die Telefonnummer der Käufers und / oder E-Mail Adresse hinzu.
Aus diesem Grund muss in den Datenschutzhinweisen darüber informiert werden, dass die Daten zu Zwecken der Vertragserfüllung (Art. 6 Abs. 1b DSGVO) digital übermittelt werden. Dieser Aspekt wird selten berücksichtigt.
Ebenso, dass es in Einzelfällen möglich ist, dass ein Vertrag zur Auftragsverarbeitung (AV) erforderlich sein kann.
Gewährleistung
Ein weiteres Thema im Kontext von Dropshipping und den rechtlichen Gegebenheiten stellt die Gewährleistung dar. Wer ist dafür verantwortlich, wenn ein Mangel an der Ware vorliegt?
Das ist ganz einfach zu beantworten. Du als Verkäufer der Ware bis lt. Gesetz verpflichtet im Rahmen der Gewährleistung (Garantie und Gewährleistung) den Mangel an der Ware zu beseitigen. Im Rahmen des Unternehmerrückgriff ist es zwar möglich die entstandenen Kosten gegenüber deinen Lieferanten ebenso geltend zu machen. In erster Linie liegt es jedoch an dir den Kunden zu besänftigen und die Probleme aus der Welt zu schaffen.
Fast Letzte Worte vom Experten für E-Commerce
In meinem Unterricht sagen einige ich würde das Dropshipping „Bashen“. Dem ist aber nicht so. Ich zeige lediglich auch die Nachteile auf und sehe nicht alles durch eine rosarote Brille.
Ich habe viele Jahre praktische Erfahrungen mit dem Thema Dropshipping sammeln können. Von der Akquise des Dropshipping Partner, bis hin zur Abwicklung und dem Retourenmanagement. Zumindest innerhalb Deutschlands. Ihr wisst ja, wie gerne ich Englisch spreche (broken fluently) oder Chinesisch (Yīdiǎn yě bù = gar nicht)
Prinzipiell befürworte ich selbstverständlich das Dropshipping. Allein auf Basis der Tatsache, der Lagerkosten und der Sortimentsgestaltung. Im Rahmen eines strategischen Ansatz würde ich das Streckengeschäft jedoch nicht isoliert betrachten bzw. lediglich so agieren. In jedem Falle empfehle ich ein kleines Lager immer vorzuhalten, auch in diesem Modell.
Betrachtet hierbei die Funktionen, welche ein Lager übernehmen muss:
- u.a. Räumlicher & zeitlicher Ausgleich
- Quantitativer & Qualitativer Ausgleich
- die Sicherungsfunktion und z.B. die Spekulationsfunktion.
Dropshipping war bereits Bestandteil der AP1 und auch AP2. Die IHK betrachtet jedoch lediglich die positiven Aspekte – also alles bis zum Punkt Praxis oben.
Was ist der Unterschied zwischen E-Commerce und Dropshipping?
Oder auch anderes herum zu finden: Was ist der Unterschied zwischen Dropshipping und E-Commerce?
Einfache Antwort. Dropshipping ist ein Bestandteil von E-Commerce. Wie ihr oben lesen könnt, handelt es sich schlichtweg um ein Streckengeschäft. Einige Onlinehändler betreiben ausschließlich dieses Modell. Andere hingegen verzichten darauf. Viele E-Commerce-Händler haben einen Mix aus Dropshipping und eigenem Lager. Warum, das könnt Ihr oben nachlesen.
Pingback: Fulfillment - Stefan Noffke
Pingback: Sortimentspolitik - Stefan Noffke
Pingback: Selbstständigkeit - Stefan Noffke
Pingback: Preisstrategien - Stefan Noffke
Pingback: Der optimale Ausbildungsbetrieb für Kaufleute im E-Commerce - Stefan Noffke
Pingback: Retourenmanagement - Stefan Noffke
Pingback: Webshop-Basics - Stefan Noffke
Pingback: Performance Marketing - Kennzahlen für erfolgreiches E-Commerce - Stefan Noffke
Pingback: Einnahmequellen als Influencer - Stefan Noffke
Pingback: Markengesetz - Stefan Noffke
Pingback: Einen Onlineshop Aufbauen - Stefan Noffke
Pingback: Online-Vertriebskanal - Stefan Noffke
Pingback: Nutzungsprozesse im E-Commerce - Stefan Noffke